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Psychodynamische Verfahren

"Wenn wir die Gründe für das Verhalten der anderen verstehen könnten,

würde plötzlich alles einen Sinn ergeben."

Sigmund Freud

Die Psychoanalyse und die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie als s.g. "psychodynamische Verfahren" gehen auf ihren Begründer Sigmund Freud zurück und zählen, neben der Verhaltenstherapie, zu den drei wissenschaftlich anerkannten Psychotherapieverfahren.

Den psychodynamischen Verfahren ist gemeinsam, dass sie von der Existenz eines unbewussten Teils der Psyche ausgehen, in welchem sich Wünsche und Bedürfnisse sammeln und Erfahrungen gespeichert sind, die uns heute nicht mehr bewusst sein müssen, d.h. wir uns zunächst auch nicht mehr erinnern können. Dennoch haben sie einen wichtigen Einfluss auf unser aktuelles Leben im "Hier und Jetzt", indem sie uns prägen, wie wir Beziehungen zu anderen Menschen gestalten, wie wir uns selbst sehen, oder welche persönlichen Ziele wir uns stecken.

Treffen zwei nicht miteinander vereinbare Strebungen in uns aufeinander, wie z.B. einerseits der Wunsch nach einer engen Bindung, der bislang nicht ausreichend erfüllt werden konnte, und andererseits das Bedürfnis nach Autonomie und Eigenständigkeit, können innerseelische Spannungen entstehen ("Konflikte"), die sich dann in körperlichen Beschwerden oder seelischen Krisen ausdrücken können. Diese ohne fremde Hilfe aufzulösen ist schwer, da sie nicht zugänglich, d.h. unbewusst sind.


In einer psychodynamischen Therapie unterstützt der Therapeut den Patienten darin, diese unbewussten Prozesse aufzudecken, sie somit einer Bearbeitung zugänglich zu machen und in letzter Instanz aufzulösen - mit dem Ziel einer Symptomreduktion oder Heilung der Beschwerden und Auffälligkeiten.

Strukturbezogene Psychotherapie

Im Laufe der Entwicklung durchläuft ein Kind verschiedene Entwicklungsstadien, in denen es sowohl sprachliche und motorische Fähigkeiten erwirbt (Laufen, Sprechen), als auch "psychische Werkzeuge" aufbaut, die es für die Bewältigung verschiedenster Entwicklungsaufgaben benötigt, wie beispielsweise die Fähigkeit, sich selbst zu reflektieren, sich zu beruhigen oder sich in andere Menschen einzufühlen. Konnten diese Lernprozesse im frühen Kindesalter nicht ausreichend stattfinden, so spricht man nach Gerd Rudolf von "strukturellen Störungen", die sich in den unterschiedlichsten Verhaltensauffälligkeiten bemerkbar machen können, wie

- einer Unfähigkeit, eigene Impulse zu kontrollieren oder

Bedürfnisse aufzuschieben, mit einem damit

verbundenen Mangel an Frustrationstoleranz (Impulssteuerung)

- einer mangelnden Regulationsfähigkeit des eigenen Selbstwerts: Schwankungen zwischen Einbrüchen im

Selbstwerterleben und einer unrealistischen Selbsterhöhung (Selbstwertregulation)

- einer Unfähigkeit, sich selbst zu reflektieren und sich eigene Fehler oder Schwächen einzugestehen - im

Gegenzug jedoch auch eigene Stärken und Kompetenzen zu erkennen (Selbstwahrnehmung)

- einer Unfähigkeit, eigene Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle wahrzunehmen und diese in angemessener, sozial

verträglicher Form auszudrücken (Affektwahrnehmung und -verbalisierung)

- der Schwierigkeiten, sich vorzustellen, was das eigene Verhalten beim anderen auslöst, Grenzen anderer zu

erkennen und zu respektieren (Empathie)

- einer Inkompetenz, Kontakte und Bindungen zu knüpfen, aufrechtzuerhalten und diese auch wieder zu lösen


Hier führt der therapeutische Weg über die Nachreifung wichtiger Entwicklungsschritte, die zu einem Aufbau der psychischen Struktur, d.h. psychischer Kompetenzen führt.